Affen in Privathand

Für die Haltung in Privathand kommen heute eher die kleinen Arten vor, dazu zählen vor allem die Krallenaffen, von denen die meisten so groß wie Eichhörnchen sind. Besonders beliebt sind die Weißbüscheläffchen
( Callithrix Jacchus ), deren Haltung, so sie Artgerecht erfolgt, relativ problemlos ist und die deshalb Jahr für Jahr häufig nachgezogen werden. Regelmäßig gehalten werden auch Lisztäffchen ( Saguinus Oedipus )
und die kleinen Zwergseidenäffchen ( Callithrix pygmaea ). Außerdem werden einige Tamarin-Arten, wie zb. der Rothandtamarin ( Saguinus Midas ) und eine Art der Löwenäffchen, das Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas ) gehalten.
An echten Neuweltaffen werden vor allem Totenkopfäffchen ( Samiri sciureus ) gehalten. Zudem befinden sich aus der Familie der Loris einige Buschbabys ( Galago senegalensis ) und Schlankloris ( Loris tardigradus ) in Privathand.
Auch die winzigen Mausmaki ( microcebus murinus ) und wenige andere Lemuren, wie zb. der Katta ( Lemur catta ) werden gelegentlich gepflegt.
Alle Affen stehen unter Artenschutz, dürfen also nicht ohne die entsprechenden Papiere gehalten werden. Dieses für den Halter etwas lästige Prozedur hat den Vorteil, dass stets bekannt ist , wo Affen gehalten werden,
denn mit dem Schutzstatus ist eine Meldepflicht verbunden. Alle Affen in Menschenobhut müssen bei der zuständigen Behörde angemeldet werden. Die Vorgehensweise der Überpüfung ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.
Generell wird die artgerechte Ausstattung des Geheges, die Sachkunde des Halters und die Gesundheit der Tiere überprüft.
Eine solche Überwachung war noch vor ein paar Jahrzehnten nicht in Sicht. Und auch noch heute sehen viele Menschen in ´ Pippi Langstrumpf ´ die typische Affenhalterin, ein einzelnes Totenkopfäffchen lebt vorwiegend auf der Schulter,
sonst frei in der Wohnung der Hauptfigur dieser Kindergeschichte. Somit übermittelt das Kinderbuch und die dazu gehörigen Filme dem Leser und Zuschauer eine völlig falsche Art der Haltung, die in dieser Form längst verboten ist.
Noch in den 1970 Jahren gab es aber durchaus häufiger solche Schulteraffen in Mitteleuropa. Diese Zeit ist glücklicherweise vorbei. Die Haltung von Affen ist durch Gesetze so eingeschränkt, dass nur noch sehr engagierte Haltern in das geldraubende
Hobby einsteigen können. Der Aufwand ist sehr groß, geheizte verhaltensgerecht eingerichtete Innenräume und großflächige Außengehege sind für die Tiergerechte Pflege nötig. Die Anlagen vieler Affenhalter unterscheiden sich inzwischen nicht mehr von
denen der Zoos, manchmal sind sie sogar grösser. Die Halter beschäftigen sich inzwichen mit der Beobachtung und der Erhaltungszucht der verschiedenen Affenarten. Inzwischen haben die Menschen verstanden welch hoch entwickelte Lebensform sie halten,
und damit auch die immensen Ansprüche erkannt, die Affen an ihre Pfleger stellen.
Nach meiner festen Überzeugung ist die private Affenhaltung nur dann zu rechtfertigen, wenn sie artgerecht in natürlichen Sozialstrukturen mit Artgenossen und in entsprechend ihren Bedürfnissen ausgestalteten großen Gehegen leben.
Das schließt die Haltung als gezähmtes Wildtier in der Wohnung aus. Durch ihr lebhaftes Wesen sind ungezähmte Affen für den Liebhaber außerordentlich interessante Pfleglinge. Gerade die Beobachtungen des natürlichen Verhaltens innerhalb einer Gruppe
ist besonders reizvoll. Dabei nehmen die intelligenten Tiere auch ohne absichtliche Zähmung durchaus Kontakt zu ihren Pflegern auf und kommen durchaus schon einmal auf die Schulter. Bei entsprechender Haltung pflanzen sich die meisten Arten
auch in Privathand fort. Die Aufzucht zu erleben, gehört sicher zu den beeindruckensten Erlebnissen in der Primatenhaltung.